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Staatliche Förderschule für Gehörlose und Schwerhörige in Lebach

Die neuen Medien 

Heute steht es außer Frage, dass Computer und Schule zusammengehören.
Aber so war es nicht immer.
1987 wurde in den Schulen der Begriff "Informationstechnische Grundbildung" (ITG) allgemein eingeführt.
Man erkannte damals, dass die Mikroelektronik in immer mehr Betrieben Fuß fasste, und dass diese Entwicklung den Informations- und Kommunikationstechniken die typischen Charaktermerkmale einer Schlüsseltechnologie zuwies. 
Aus diesem Grunde fasste man den Entschluss, auch schon in der Schule die Schüler mit den informationstechnischen Gegebenheiten vertraut zu machen.
Die informationstechnische Bildung strebt ein rationales Verhältnis zu den neuen Technologien an, das auf Wissen und Können beruht. Für den Bereich der Hauptschulen umfasst sie die Teilbereiche Informationstechnische Grundbildung sowie den fachspezifischen Einsatz der neuen Medien als Hilfsmittel im Unterricht (Medialer Einsatz).
Für Weiterführende Schulen schließen sich noch Informatikunterricht und berufsbezogene informationstechnische Bildung an.

Für ITG, die ab dem 7. Schuljahr fächerübergreifend stattfinden soll, wurden folgende Lernziele formuliert: 

   Fähigkeit zur Handhabung der Computeranlage

   Einblick in den Aufbau und die Funktionsweise der Computeranlage

   Einblick in die Geschichte technologischer Entwicklungen

   Einblick in computergeführte Steuerungen

   Einblick in die Anwendung der Neuen Informationstechnik in der Praxis
     (Textverarbeitung - Tabellenkalkulation - Datenbank - Grafik)

   Einblick in die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Verbreitung der Mikroelektronik

   Wissen um die Notwendigkeit des Datenschutzes und der Datensicherung 

In einem Rundschreiben des Kultusministeriums vom Juni 1988 heißt es hierzu:
“Diese Lernziele sollen unter Berücksichtigung der Altersstufe in einem Unterricht erreicht werden, der die eigene     Arbeit des Schülers zur Grundlage hat, der erfahrungs- und handlungsorientiert dem Praxisbezug Rechnung trägt und  der exemplarisch Einblicke in verschiedene Bereiche der Informationsverarbeitung vermittelt.
ITG stellt kein neues Fach dar. Sie wird durch Integration ihrer Inhalte in den Unterricht verschiedener Fächer des Pflichtbereichs, also fächerübergreifend erreicht.
Beispielsweise können die Handhabung des Computers in seiner Peripherie im Arbeitslehre­unterricht, die Textverarbeitung im Fach Deutsch und der Datenschutz im Fach Sozialkunde behandelt werden.
Die Schüler werden an einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Prozess durch begleitendes Lernen beteiligt. Die Beschäftigung mit den neuen Informationstechniken schult die Bereitschaft zur Nutzung verschiedener Ressourcen beim Lernprozess. Darüber hinaus führt ITG zur Gruppenarbeit, zur Berücksichtigung fächerübergreifender Aspekte und zur Durchführung von Projektunterricht."

 Da auch für die Lehrer die Neuen Medien zu diesem Zeitpunkt noch äußerst ungewohnt waren, und älteren Kollegen zudem suspekt und angsteinflößend schienen, wurde auch die entsprechende Lehrerfortbildung in Angriff genommen.


Diese wurde zentral im LPM-Dudweiler als sogenannte Moderatoren/Multiplikatoren- Ausbildung durchgeführt. Dazu wurde von jeder Schule jeweils ein Kollege zur Weiterbildung nach Dudweiler geschickt, der seinerseits sein Wissen an die interessierten Kollegen daheim an der Schule weitergeben sollte (Schneeballprinzip).

Nachdem diese Grundlagen und Voraussetzungen geklärt waren, stürzten auch wir uns 1988 in das große Abenteuer: wir schafften uns Computer an.

Die ersten Personalcomputer (PC), die damals zu relativ erschwinglichen Preisen auf dem Markt waren (ca. 3000 DM pro Einheit, ohne Drucker), waren sogenannte Desktop-PC´s, also Geräte, die auf dem Tisch plaziert wurden. Sie bestanden lediglich aus der Mindestanforderung, aus dem eigentlichen Rechner mit Diskettenlaufwerk, einem Monitor, einer Tastatur und evtl. einer Maus. Das war die sogenannte “Hardware".

Als “Software" waren dann noch das Betriebssystem, damit die Computer zuerst einmal zum Laufen gebracht werden konnten (damals DOS 3.2), sowie Anwendungsprogramme nötig.

Wir kauften 3 Einheiten und einen Drucker. Kostenpunkt: ca. 10.000 DM.
Damit konnten wir nun die ersten Gehversuche starten.

 

 

 

 

Unsere ersten Computer

 

Erwachsene Gehörlose traten, weil zu dieser Zeit das Interesse groß war, mit dem Wunsch nach einem Computerkurs an uns heran. Wir konnten ihnen einen Kurs als Einführung in die Welt der Mikroelektronik anbieten und durchführen. Die Computeranlagen waren ja vorhanden. 

Da nichts zur Zeit auf der Welt so schnelllebig ist wie die Informationstechnik, kamen schon 1990 die ersten “Windows-Rechner" mit den entsprechenden Windowsprogrammen auf den Markt. Windows ist eine Benutzeroberfläche, die das Arbeiten mit den Programmen doch sehr erleichtert. Statt Befehle zu tippen, werden nur die entsprechenden Schalter mit der Maus angeklickt. Zudem sind alle Windowsprogramme einander ähnlich, und alle greifen auf den gleichen Druckertreiber zurück.
Das bedeutete in der Realität für uns: unsere so teuer erstandenen PC´s waren schon nach nur 2 Jahren total veraltet. 

Daher kauften wir 1992 einen neuen Windows-Rechner, diesmal mit einem Laserdrucker (s/w), und einen VGA-Farbmonitor; und wir genehmigten uns noch obendrein, quasi als Sahnehäubchen einen Farb-Scanner zum damaligen stolzen Preis von ca. 3300 DM. Das ganze deklarierten wir dann als Lehrerrechner, der also für Schüler tabu war, es sei denn, der Lehrer saß daneben.  

Zur gleichen Zeit wurde in unserem Schulgebäude ein Klassenzimmer frei. Daher nutzten wir die Gelegenheit, diesen Raum als Computerraum einzurichten. (Der Raum, der vorher benutzt wurde, war klein und nach hinten zum Wald liegend dunkel und feucht, also für elektronische Bauteile denkbar ungeeignet.)
Nach und nach wurden in der Folgezeit neue Rechner angeschafft, teils als Spende, teils vom Etat der Schule. Die Rechner wurden immer schneller, die entsprechenden Programme aber auch speicherfressender. 

Von der Zeit, in der man mit einem Diskettenlaufwerk mit 360 Kilobyte zurecht kam, kann man heute nur noch träumen. Heute arbeitet man bereits mit Festplatten im mehrfachen Gigabyte-Bereich. 

 

 

 

 

 

 

Blick in unseren neuen Computerraum

 

 Mittlerweile ist ein anderes Schlagwort allgemein verbreitet: Multimedia.
Ein Multimedia-PC benötigt neben den bereits genannten Peripheriegeräten noch zusätzlich mindestens eine Soundkarte mit Lautsprechern. 

Viele moderne Programme setzen eine solche Konfiguration voraus: Lexika werden heute nicht mehr als mehrbändige Werke gekauft, sondern als eine “Silberscheibe", eine CD-ROM. Sie kosten wesentlich weniger und bieten ein Vielfaches an Information: Zwar können in einem Buch neben Text auch Bilder dargestellt werden, aber Videosequenzen als dokumentarische Filmausschnitte oder Tonaufnahmen sind in einem Buch nicht möglich, wohl aber mit Multimedia. 

Auch findet man ohne längeres Blättern weitere zusätzliche Informationen zu einem Begriff durch Verweise, sogenannte “Links", die man nur anzuklicken braucht, um zu einer anderen, weiter vertiefenden Information verwiesen zu werden. 

Noch ein anderer Begriff ist in der letzten Zeit als Schlagwort in aller Munde: das Internet. Seit 1998 haben auch wir einen Internetanschluss. Wir sind nun also auch in der Lage, durch “surfen" im world wide web (www) Informationen aus der ganzen Welt in unsere Schule zu holen.  

Es gibt eigentlich nichts, was nicht im Internet angeboten wird. Das Angebot ist enorm, aber auch für den Anfänger unübersichtlich und chaotisch. 

Was das Internet betrifft, sind wir erst in einem Versuchsstadium, also erst am Anfang der Entwicklung. Und es muss noch viel Zeit und Geld investiert werden, um sich immer weiterzubilden und auf dem Laufenden zu bleiben. Zwar haben wir bisher noch keine eigene "Homepage", jedoch eine e-mail Adresse, über die wir weltweit kommunizieren können: HoerbehSchuleLebach@t-online.de  

Seit 2002 haben wir jetzt auch eine eigene Homepage. Die Adresse lautet: www.hoerbehindertenschule-lebach.de.
Auf dieser Seite können alle Interessierten Wissenswertes und Aktuelles nachlesen.

Wir sind nun noch einen Schritt weiter gegangen.
Der neueste Stand ist der, dass wir damit beginnen, einzelne Klassenräume zusätzlich mit einer Computeranlage auszustatten.
Das hat den Vorteil, dass der Lehrer schnell ein notwendiges Arbeitsblatt erstellen kann, und dass die Schüler jederzeit die Möglichkeit haben, Informationen nachzuschauen, Texte sauber zu schreiben und zu vervielfältigen. Wenn sie schnell gearbeitet und ihre Aufgaben erledigt haben, dürfen sie selbständig Übungsprogramme verwenden, um Wissenslücken zu beheben oder Probleme z.B. in Mathematik durch ent-sprechende Programme zu lösen und die Fertigkeiten zu üben.

 

 

Computeranlage in einer Klasse, deren Anschaffung durch eine großzügige Spende des Vereins für Gemeinschaftspflege (VfG) ermöglicht wurde

 

 

Im Moment sind wir, was die Hardware betrifft, sehr gut ausgestattet.
Im Computerraum stehen sechs Windows 98 Rechner (sehr schnelle Pentium III-Rechner), die alle miteinander vernetzt sind.
Außerdem stehen in diesem Raum unter anderem 3 Tintenstrahldrucker (davon 2 in Farbe), sowie 1 Flachbettscanner zur Verfügung. Alles in allem ist das schon optimal.

In die  Software müssen wir jedoch in der nächsten Zeit noch viel Geld investieren, da Schullizenzen, also die Genehmigung, ein Programm auf allen Schulrechnern benutzen zu dürfen, sehr teuer sind.

Seit Sommer 2006 haben wir unsere Computeranlage nochmals auf den neusten Stand gebracht. 
Wir besitzen nun neben dem Lehrercomputer weitere 10 Schüler PCs, alle mit Windows XP und Flachbildschirm.
Alle Rechner sind mit dem Lehrer-PC vernetzt, so dass die Schüler auf freigegebene Verzeichnisse des Lehrercomputers zugreifen können.
Zusätzlich verfügen alle Rechner in diesem Computerraum über einen schnellen DSL-Anschluss.
Ausgedruckt wird mit einem Farb-Laserdrucker, auf den auch jeder Rechner zugreifen kann.
Neben dieser hervorragend ausgestatten Computeranlage verfügen wir außerdem über einen Laptop und einem Beamer, die überall eingesetzt werden können.

Ausblick: 
Was die Zukunft uns in informationstechnischer Hinsicht bringen mag, ist noch ungewiss.
Eines aber ist klar. Die Möglichkeiten mit den neuen Medien werden immer vielfältiger.
Vielleicht ist es in naher Zukunft Wirklichkeit, dass jeder Schüler seinen eigenen PC auf dem Schultisch stehen hat, ganz individuell durch Programme geführt lernt und übt und seine Lernerfolge und Fortschritte per Vernetzung an eine vorgestellte Instanz (Lehrer?) weitergibt. Auf jeden Fall wird erneut ein Umdenken verlangt werden.
Ob eine Maschine jemals “Intelligenz" haben kann, ist ein Thema für Philosophen und Theologen. Zweifellos werden Computer schneller und billiger und haben immer größere Speicherkapazität. Ihre Reaktionen werden immer komplexer und können mit dem Wort “Intelligenz" mithalten. Milliarden werden investiert, um auf diesem Sektor weiter zu forschen, und wir sprechen mittlerweile auch bereits von “künstlicher Intelligenz".  

Ob sie jemals kommen wird, und wo sie endet: wer weiß?
Werner Schneider

Unser Computersaal 2007 mit neuer PC-Anlage

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