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Ruth-Schaumann-Schule

Staatliche Förderschule für Gehörlose und Schwerhörige in Lebach

Modellklasse an der ERS Dillingen

Bericht in der Saarbrücker Zeitung vom 12. September 2006 

Echtes Klatschen ist zu laut. Deshalb klatschen die Kinder aus der 5b nur die Luft, hier mit Kultusminister
Jürgen Schreier (hinten, 5. von rechts) und Landrätin Monika Bachmann (6. von rechts).           
Foto: Theobald                                                                                                                                                    
In aller Stille zur Mittleren Reife

In Dillingen lernen hörbehinderte Kinder zusammen mit nicht behinderten Schülern 

An der Erweiterten Realschule Dillingen haben Kinder mit Hörbehinderung die Chance, ihre Mittlere Reife zu erlangen. Möglich ist dies durch eine be­sondere technische Ausstat­tung und entsprechenden räumlichen Bedingungen. Die Modellklasse wurde jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt. 

VON SZ-MITARBEITERIN HEIKE THEOBALD 

Dillingen. Mucksmäuschenstill ist es in der Klasse 5b von Silvia Berhard an der Erweiterten Realschule (ERS) in Dillingen. Das wünscht sich na­türlich jeder Lehrer in seiner Klasse, aber hier ist absolute Stille Grundvoraussetzung für den Unterricht. Denn in der 5b werden, gemeinsam mit 13 nicht behinderten Schülern, fünf Kinder mit Hörbehinde­rung unterrichtet. 

Freitagmorgen, kurz vor zwölf: ein kleiner Demonst­rationsunterricht für Kultus­minister Jürgen Schreier und Landrätin Monika Bachmann. Englischlehrerin Esther Rie­der steht vor der Klasse.
Sie trägt ein Mikrofon. „Hello, what‘s your name?“, fragt sie eine Schülerin. „My name is Charlotte“, antwortet das Mädchen. Charlotte ist eines von fünf schwerhörigen Kindern, die an der ERS Dillingen die Gelegenheit haben, ihre Mittlere Reife zu erlangen. Damit diese Schüler dem Unter­richt folgen können, mussten die Rahmenbedingungen ver­ändert werden. So liegt die Klassengröße bei 18 Schülern, um Hintergrundgeräusche auf ein Minimum zu reduzieren und ein Unterrichtsgespräch zu ermöglichen. Die Kinder sitzen dabei im Halbkreis. Eine Höranlage mit Mikrofonen für Schüler und Lehrer hilft den Kindern mit Hörbehinderung bei der verbalen Kommunikation.

Eine weitere Voraussetzung ist ein Raum, der optimale akustische Verhältnisse schafft. Akustikdecke, Teppichboden, Vorhänge - alles, was zur Verringerung der Nachhallzeit beiträgt, wurde eingebaut. Der Nachhall ist eine Belastung für hörgeschädigte Kinder“, erklärt Alexandra Forster. Er erschwert die Verständlichkeit von Sprache.

Forster ist Rektorin an der Ruth-Schaumann-Schule in Lebach, einer staatlichen Schule für Gehörlose und Schwerhörige. Sie hat das Kon­zept zur Integration von Kindern mit Hörbehinderung erarbeitet. Hörintensive Fächer wie Deutsch und Fremdspra­chen übernehmen die Sonderschulpädagogen von der Ruth­ Schaumann-Schule, Ursula Küster und Esther Rieder.

Das Kultusministerium unterstützt das Projekt, der Land­kreis Saarlouis trägt die Kos­ten für Technik und Umbaumaßnahmen in Höhe von 21500 Euro. Der Verein zur Förderung cochlear-implantierter Kinder im Saarland, die eine Hörprothese tragen, be­teiligte sich ebenfalls mit 2500 Euro an den Kosten. Deshalb konnte der Unterricht für Charlotte und ihre Klassenka­meraden jetzt starten.

 

Weitere Informationen finden Sie auf folgender Seite:  www.kreis-saarlouis.de/index.php?id=1053