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Ruth-Schaumann-Schule

Staatliche Förderschule für Gehörlose und Schwerhörige in Lebach

Zeitungsberichte

 

Saarbrücker Zeitung vom 21.02.2007

Spannender Ausflug aus dem Alltag

Schwerhörige Kinder der Ruth-Schaumann-Schule in Lebach auf Entdeckungsfahrt

 Acht Kinder im Alter von acht Jahren drücken in der zweiten Klasse der Ruth­Schaumann-Schule in Lebach die Schulbank. Sie lernen Rechnen, Lesen Schreiben wie Ihre Altersgenossen - nur un­ter anderen Voraussetzungen: Die Kinder sind schwerhörig.

Von SZ-Redakteurin Monika Kuhn

 Lebach. Die Zweitklässler sind noch ganz aufgeregt. Waren sie doch tags zuvor auf großer Fahrt. Voller Stolz erzählt Natale, dass sie in Saarbrücken waren. „Mit dem Zug“, ergänzt Alex, und gleichzeitig macht der Junge mit seinen Händen die typischen Bewegungen ei­nes fahrenden Zuges, um seine Aussage zu untermauern.

Die Kinder der Klasse 2b der Ruth-Schaumann-Schule für Gehörlose in Lebach mit ihren Lehrerinnen Eva Maaß (links) und Ines Meincke.                        Foto: Andreas Engel

 

Die acht Kinder der Klasse 2b der Ruth-Schaumann-Schule in Lebach sind schwerhörig. Zwei Kinder werden nach den Richtlinien der Lernbehinder­ten unterrichtet, erklärt Lehre­rin Eva Maaß. Ihre Kollegin Ines Meincke unterstützt sie in Förderstunden bei ihrer Ar­beit. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus dem gan­zen Saarland nach Lebach. Jasmin ist schon seit dem Schulkindergarten da. Sie fährt täglich mit dem Bus von Roden nach Lebach. Ken ist aus St.Ingbert, auch er fährt mit dem ­Bus. Andere werden morgens ­von den Eltern gebracht, und um 15 Uhr geht es wieder heim. Auf die Frage, was sie denn in Saarbrücken gemacht haben, sprudelt es nur so aus den Kindern raus. Sie haben Pizza gegessen und Schokoladenpudding. Marius: „Das ist mein Lieblingspudding.“ Die Pizza haben sie bei ihrer Lehrerin zu Hause gebacken. Mit Salami, Schinken, Käse, Paprika - eben mit allem, was so auf eine Pizza gehört. Und geschmeckt hat es ganz toll. Und Natale merkt an, dass die Katze von Frau Maaß ganz viel Angst gehabt hätte.

„Die ist unters Bett gekrochen.“ Für Angelina war der Ausflug gleichzeitig ein guter Einstieg in den Schulalltag. Es war ihr erster Tag in der neuen Schule. In seiner Freizeit singt Marius im Kinderchor in Nalbach und Natale trommelt. Andere besuchen nachmittags Musikschulen, sehen fern, fahren Fahrrad oder spielen einfach mit anderen Kindern. Geplant ist auch ein Schullandheim-Aufenthalt in Oberthal. Doch als Nächstes stand die Faschingsparty auf dem Programm. An den Wänden hingen. bereits Bilder, auf denen die Kinder sich in ihren Kostümen gemalt haben. Denn am letzten Schultag vor den Fastnachtsferien bevölkerten kleine Prinzessinnen, Feuerteufelchen und Cowboys die Klasse, und auch ein Pinguin war dabei - Natale.

 

Saarbrücker Zeitung vom 28.02.2007-04-26

Voneinander mehr lernen
Sport führt hörende und gehörlose Kinder spielend zusammen

Seit vielen
Jahren arbeiten die Nikolaus-Groß-Schule und die Ruth-Schaumann-Schule im Fach Sport miteinander (wir berichteten). Vom Unterricht profitieren die hörenden und hörbehinderten Kinder glei­chermaßen.

 

Von SZ-Redakteurin Monika Kühn

 

Lebach. Es ist Dienstagmor­gen. Die 24 Erstklässler der Nikolaus-Groß-Schule in Lebach freuen sich auf den Sport- oder Schwimmunter­richt. Das ist nichts Besonderes.

Hörende und gehörlose Kinder lernen in der Nikolaus-Groß und in der Ruth-Schaumann-Schule in Lebach
mit jeder Menge Spaß.               

 

 

Foto: Andreas Engel

Besonders ist aber, dass sie diese Stunden mit den sieben Erstklässlern der benachbar­ten Ruth-Schaumann-Schule zusammen haben. Freudig werden sie auch von Myriam, Yannick, Joe, Maike, Fabian, Pascal und Jennifer erwartet. Die Scheu der ersten Stunden ist der Begeisterung gewichen.

„Dieser gemeinsame Sportunterricht ermöglicht sowohl den schwerhörigen als auch den hörenden Schülern eine Erweiterung ihres Erlebnis-, Erfahrungs- und Wahrneh­mungsfeldes“, betont Rita Schweitzer, die Klassenlehrerin der hörbehinderten Kinder. Aber nicht nur „ihre Kinder“ profitieren von dem gemeinsa­men Unterricht, der sich im 14-tägigen Wechsel mit dem Schwimmunterricht im Hal­lenbad der Blindenschule abwechselt. Auch die erste Klasse der Nachbarschule habe nur Vorteile, ist sich deren Klassenlehrer Bruno Schaadt sicher. Im Sportunterricht habe der visuelle Aspekt beim Vor- und Nachmachen eine wichtige Funktion, so Schaadt. Beide Gruppen können sich durchaus in einer großen gemeinsamen Gruppe miteinander messen.

Und man merkt den Kindern an, dass es ihnen Freude macht. Außerdem ist es viel schöner, sich in einer größeren Gemeinschaft miteinander zu messen, vor allem bei Ballspielen oder zum Beispiel mit dem Schwungtuch. Spielerische Fä­higkeiten werden in gemeinsa­men Spielen intensiver entwi­ckelt. Rita Schweitzer: „Der Wettkampfcharakter würde in unserem kleinen Kassenverband nicht erlebbar sein. Zu dem bereiten die verschiedenen Wett- und Geschicklichkeitsspiele einfach mehr Spaß in einer größeren Gruppe.“

Die beiden Schulen versuchen, die Kooperation nicht nur auf den Sportunterricht zu begrenzen. Auch, so Schaadt haben sich die Kinder und Lehrer beider Schulformen zu anderen Anlässen getroffen, wie an der Nikolausaktion oder zur Adventsfeier.

Auch in der Freizeit sind viele der Kinder sportlich aktiv. Niklas spielt Fuß- und Handball, Rabea fährt Inliner, Lena hat ein eigenes Pferd. Martha ist fit in Leichtathletik.

 

MEINUNG

Hier profitieren einfach alle

Von SZ-Redakteurin Monika Kühn

 

Alle haben Spaß, alle pro­fitieren davon. So sollte jede Kooperation ausse­hen. Bei den beiden Lebacher Schulen ist das im gemeinsa­men Sportunterricht der Fall. Die Schulleitungen und die zu­ständigen Lehrer der Nikolaus-Groß- und der Ruth-Schau­mann-Schule haben den Hebel an der richtigen Stelle ange­setzt. Denn der Turn- und Schwimmunterricht, wo der Spaßfaktor eine große Rolle spielt, ist eine geeignete Basis für eine gemeinsame Arbeit, einen gemeinsamen Unter­richt. Die Regelschulkinder ge­winnen wertvolle Erfahrungen im Umgang mit behinderten Kindern und entwickeln Ver­ständnis für deren Probleme. Andererseits übernehmen die schwerhörigen Kinder oftmals die Bewegungsabläufe ihrer Freunde, was zum Nachahmen anregt. Beide Seiten haben von diesem schulübergreifenden Unterricht Vorteile, und - was auch wichtig ist -es kostet niemanden einen Cent mehr - nur Mut.