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Ruth-Schaumann-Schule
Rückblick zur Entstehung der integrativen Kindergartengruppe
Erfahrungen im
Gruppenalltag am Beispiel eines Tagesablaufes
Mittwochvormittag, 9.00 Uhr: Das allmorgendliche Ritual beginnt: Die Hörgerätekontrolle
Danach finden sich die Kinder in
verschiedenen Spielgruppen zusammen, wo gespielt, gebaut, gemalt und geforscht
wird.
Um 9.30 zeigt die Zimmerampel grün.
Gegen 10.00 Uhr machen sich heute unsere
Waldwichtel, die sich selbst nach mehreren Waldsäuberungsaktionen zur
Waldpolizei ernannt haben, auf die Socken. Unverzichtbar ist unser Bollerwagen,
der mit wichtigen Utensilien beladen ist. Auch J und V sind
Waldpolizisten. Ebenso wie die hörenden Kinder sind sie derzeit begeisterte Müllsammler.
Diese Aufgabe haben die Kinder sich selbst gestellt und zur Freude unseres Försters
sehr umweltbewusst durchgeführt. Wir sind gespannt, wann der Wald die Kinder
auf andere Wege führt...
Zwischenzeitlich ist Frau Küster
(Sonderschullehrerin der Schule) eingetroffen. Frau Küster informiert sich
regelmäßig nach der Gruppensituation und wählt dementsprechend und in
Absprache mit dem Gruppenpersonal ihre Angebote aus. Alle Kinder lieben es an den Angeboten von
Frau Küster teilzunehmen, so dass zuweilen in der Mondscheingruppe eine arg
reduzierte Kindergartengruppe vorzufinden ist. Frau Küster ist uns eine liebgewonnene Kollegin geworden und in unserem bunten Team nicht mehr wegzudenken. Dies gilt ebenso für Frau Giese, die als Sonderschullehrerin im rhythmisch - musikalischen Bereich aktiv ist.
Es ist 11.00 Uhr. Der Gong schlägt und
sagt allen: „Es ist Zeit in die Gruppen zurückzugehen.“ Das einzige gehörlose
Kind, C., wird, wenn nötig, gebärdend
auf das Zeichen aufmerksam gemacht. Meist orientiert er sich jedoch an den übrigen
Kindern und geht zurück in die Gruppe. In den Gruppen entstehen nun je nach
Situation, Stuhlkreisspiele, Kinderkonferenzen, Geburtstagsfeiern ... oder wir
gehen nach Draußen und erkunden unseren Spielplatz.
Um 11.30 Uhr kommen auch unsere
Waldpolizisten wieder im Kindergarten an und berichten vom Erlebten. Unser fahrendes Küchenmobil bringt nun für
alle hungrigen Kindergartenkinder das Mittagessen. Ein erlebnisreicher Tag hat sein Ende gefunden. Wochenplan der Therapiestunden mit den
Sonderschullehrern der Schule für Hörbehinderte:
Erweiterungen
der Ausstattung: Spezifische
Erfahrungen im Gruppenalltag: -
Es gibt nur noch sehr geringe Verständigungsprobleme
unter den Kindern und es bedarf selten der Zuhilfenahme von Erzieherinnen. -
Die Nutzung von Mimik und Gestik gehört
zur „normalen Verständigung“. -
Die behinderten Kinder sind voll im
Gruppengeschehen als auch gruppenübergreifend integriert. Die Teilnahme an
Projekten anderer Gruppen und das freie Wechseln innerhalb der Gruppen sind zu
Selbstverständlichkeiten geworden. -
Es besteht immer noch eine besonders große
Fürsorge der Kinder für das Kind mit Bather Syndrom, obwohl er sie gar nicht
mehr benötigt und sich zuweilen auch „genervt“ fühlt. -
Auffällig sind noch die zum Teil großen
Differenzen in der Entwicklung des Sprach- und Sozialverhaltens. Dies hängt
jedoch von verschiedenen Faktoren ab.
Derzeitiger
Entwicklungsstand der hörbehinderten Kinder: V.
ist 6 Jahre alt, trägt beidseitig Hörgeräte. Sein Höralter beträgt 1,3
Jahre. (d.h. V. trägt erst seit 1 Jahr und 3
Monaten Hörgeräte, also ist sein „Sprachentwicklungsalter“ erst 1,3 Jahre
alt) V. ist Italiener und seine Familie spricht
wenig deutsch. Für V. ist Deutsch die Fremdsprache aber dennoch macht er sehr
große Entwicklungsfortschritte hinsichtlich seines Wortschatzes und seines
Satzbaus. Er ist voll integriert, selbstbewusst, sehr offen, überaus selbständig
und sehr beliebt in der Gruppe. Er nutzt alle Bereiche der Einrichtung ohne
Probleme, ist erfreulich neugierig und aktiv sowie ein begeisterter
Waldpolizist. V. hat bereits das Forscherdiplom erlangt. J.
ist 5 Jahre alt, rechts
CI-implantiert, links ein Hörgerät. (CI = Innenohrimplantat, das bei Taubheit
implantiert werden kann und so Hören ermöglicht. Seine
Gaumen - Lippenspalte wird derzeit behandelt. Die Sauberkeitserziehung
ist bei J. fortgeschritten aber noch nicht abgeschlossen. Er zeigt einen
sicheren Umgang mit Kindern und Erziehern. Sein Selbstbewusstsein hat sich enorm
gesteigert. Er erfasst das Gruppengeschehen gut,
wechselt selbständig die Aktionsbereiche auch außerhalb der Gruppe und ist im
Spiel sehr kreativ. Er macht große Fortschritte in der Entwicklung seiner Grob-
und Feinmotorik und hat von allen Kindern
die größten sprachlichen Fortschritte gemacht. Auch J. ist begeisterter
Waldpolizist.
M. ist 5 Jahre alt, rechts implantiert. Er hat die anfängliche,
große Anspannung verloren, jedoch keine Kontakte zu den Kindern in der Gruppe.
Einen guten Kontakt hat er zu dem Erziehungspersonal aus allen Gruppen. Die Entwicklung
seiner Sprache macht keinerlei Fortschritte. Er reagiert zwar
manchmal auf Gestik aber nicht regelmäßig und mit sehr
unterschiedlichen Ausprägungen. Er ist schwer zu motivieren und hat beim Spiel
wenig Ausdauer. Er zeigt handwerkliches Interesse und macht so Fortschritte im
motorischen Bereich. Eine zusätzliche Behinderung kann bei M. nicht
ausgeschlossen werden. C.
ist 3 Jahre alt, gehörlos. Ein
CI.-Implantat konnte nicht erfolgreich implantiert werden. C. leidet
am Bather-Syndrom (eine seltene Erbkrankheit mit einem breiten Spektrum an möglichen
Symptomen). Er wird über eine Sonde ernährt . Hierfür
kommt täglich der ansässige Pflegedienst in die Einrichtung. C. hat Laufen
gelernt und beginnt selbständig zu essen. Dies war für alle Beteiligten ein
großes Erlebnis. Die
Sauberkeitserziehung ist bei C. noch nicht abgeschlossen. C. knirscht extrem mit
den Zähnen. Er gebärdet ausschließlich und macht große
Fortschritte im Gebärdenwortschatz. C. ist sehr aktiv, neugierig und offen. Er
bringt sich ins Gruppengeschehen mit ein, ahmt die Kinder nach und lernt
unglaublich schnell. C. ist Mitglied im Hasenclub. Er liebt es, die Hasen zu füttern
und zu streicheln. Der größte Erfolg ist jedoch, dass C. so selbständig
geworden ist, dass er keine Einzelbetreuung mehr benötigt. J.
ist 6 Jahre alt, besucht den Kindergarten erst seit März. Sie trägt beidseitig
Hörgeräte. Ihr Höralter beträgt 6 Monate. J. ist sehr sozial im Umgang mit anderen
Kindern und sehr hilfsbereit. Im Spiel zeigt sie sich äußerst kreativ, nutzt das offene Gruppengeschehen ohne Probleme. Sie
ist sehr selbständig und macht große sprachliche Fortschritte. J. versteht
Sprache und setzt sie um. Sie hat in kurzer Zeit Kontakte in der Gruppe geknüpft.
N.
ist 3 Jahre alt und leidet an einer seltenen Stoffwechselerkrankung. Er trägt
beidseitig Hörgeräte. Sein Höralter beträgt 1 Jahr. Er zeigt ein sehr gutes Sprachverständnis,
ist Musikliebhaber und von seinem Wesen ein sehr fröhliches und offenes Kind.
Er hat noch soziale Probleme und kann schwer Regeln einhalten. Er mag reges
Treiben und sucht den Kontakte zu Kindern. Er hat einen äußerst großen
Bewegungsdrang und fällt zuweilen auch überaktiv auf. Abschließend kann festgestellt werden, dass die Grundgedanken, die Frau Forster mit ihrer Idee der integrativen Kindergartengruppe in Steinbach hatte, voll zum Erfolg geführt haben. Es besteht derzeit eine sehr harmonische
Gruppensituation in unserem Mondscheinzimmer. Dies hängt im Wesentlichen vom
Personal der Gruppe ab. Die beiden Erzieherinnen arbeiten
vorbildlich zusammen, tauschen sich regelmäßig aus und haben eigene
Zeiten zur Reflexion. Sie ergänzen sich auf der einen Seite mit vielfältigen
Erfahrungen in der Freinet- Pädagogik, sowie auf der anderen Seite in langjähriger
Erfahrung im Hörbehindertenbereich. Ihr Engagement ist außergewöhnlich und
macht zum großen Teil diesen Erfolg erst möglich. Unser Dank gilt neben Frau
Forster als Initiatorin auch ganz besonders den beiden Sonderschullehrerinnen
der Schule. Frau Küster und Frau Giese sind sehr engagiert und interessiert an
allem, was sich in unserem Haus entwickelt. Sie versuchen stets auf die Kinder
einzugehen und haben sich gänzlich auf unsere situationsorientierte Arbeit
eingestellt. Es vergeht kein Morgen an dem die Kinder nicht nach einer der Damen
fragen. Für uns als Team stellte diese neue
Arbeit eine Herausforderung dar, auf deren Erfahrungen keiner von uns mehr
verzichten wollte. Die Freude über diese „Kleinen Schritte zu einem
Lernerfolg“, waren für uns völlig neu und überwältigend. So Zitat einer
Kollegin :
Steinbach
im August 2004, Susanne
Schwan
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